Skip to main content
«Die Schüler:innen entscheiden selbst, wo sie am besten kooperieren können»

«Die Schüler:innen entscheiden selbst, wo sie am besten kooperieren können»

Stefan Ruppaner im Gespräch über Schulraumgestaltung

Stefan Ruppaner trat als Keynote-Speaker an der Fachtagung «Labor Schulraum» auf. Im Kurzinterviewmit dem SCDH beantwortet der Pädagoge und Schulleiter Fragen zur Schulraumgestaltung. 

Herr Ruppaner, an unserer Tagung haben sie spannende Einblicke an den Lern- und Lehralltag an der für ihre innovativen Ansätze bekannte Alemannenschule Wutöschingen geteilt. Dabei haben sie Lernateliers und Marktplätze erwähnt. Erklären sie kurz, um was es geht? 

Stefan Ruppaner: In jedem Raum soll das stattfinden, was dem Raum angemessen ist. Ein Lernatelier ist ein Ort für leises Arbeiten, dort gilt Flüsterton. Um individuelle Arbeitsplätze zu schaffen, haben wir anfangs einfache Holzkisten als Ablage und als Rückwand auf den Tischen genutzt. 

Auf dem Marktplatz geht es sinngemäss wohl etwas geschäftiger zu und her? 

Genau. Das ist der Ort des gemeinsamen Lernens. Dazu haben wir Vorhänge an runden Deckenschienen angebracht. Durch das Zuziehen entsteht ein eigener Raum. Diese Nischen kann man bei Bedarf wieder öffnen, um eine offene Fläche zu erhalten. Auf den Marktplatz geht, wer mit anderen lernen will.

…und sitzt dabei entsprechen Ihrer Philosophie eher nicht auf einem Stuhl. 

Zu Hause würde auch niemand drei Stunden auf einem harten Plastikstuhl sitzen; wir nutzen Sofas und bequeme Möbel, weil wir uns dort wohlfühlen. Die harten Stühle sind ein Relikt aus einer Zeit der Disziplinierung. Auf dem Marktplatz wählt jede:r nach Gruppengrösse einen geeigneten Platz: Auf Sofas, auf Kissen auf dem Boden oder an einem Tisch. Die Schüler:innen entscheiden selbst, wo sie am besten kooperieren können.

Als weiteres Element haben Sie den Input-Bereich erwähnt.

Dort gibt es keine Tafel mehr, sondern nur Bildschirme und eine Lehrkraft, die maximal 20 Minuten referiert. Wir haben diese Bereiche oft oval gestaltet, um Diskussionen zu ermöglichen. Da wir keine Ablenkungen wie Bilder an den Wänden haben, konzentrieren wir uns voll auf das Gegenüber.

Apropos Ablenkung: Welche Rolle spielen Licht, Akustik, Farben und Materialien?

In der Oberstufe nutzen wir sehr ruhige Farben. Bunte Akzente wie Vorhänge oder Teppiche setzen wir gezielt dort ein, wo Kommunikation und Kollaboration stattfinden sollen. Viel wichtiger ist jedoch das allgemeine Wohlbefinden im Raum. Dazu setzen wir auf echte, wertige Materialien wie Holz, Glas und Beton sowie angenehme Stoffe. Wir verzichten auf stapelbare Plastikstühle und nutzen stattdessen massive Eichenstühle oder Holzbänke. 

Welche praktischen Tipps haben Sie für Tagungsteilnehmende, die nun voller Tatendrang ihre Lernräume umgestalten möchten – aber vielleicht kein Budget dafür haben?

Man muss das Klassenzimmer als Ort des Unterrichts nicht komplett auflösen. Manchmal reicht es schon, die Wandtafel zu entfernen. Und eben: Lernateliers lassen sich schon mit ein paar Kisten einrichten. 

 

Stefan Ruppaner trat Anfang September im Rahmen der multidisziplinären Fachtagung «Labor Schulraum» am SCDH auf. Alle Informationen über unser Angebot zur evidenzbasierte Schulraumgestaltung finden Sie hier. 

Eindrücke der Fachtagung Labor Schulraum

Kontakt

Kontakt

Kontakt ist der erste Schritt zur Zusammenarbeit. Lernen Sie uns kennen. Wir freuen uns auf Sie.
*Pflichtfeld